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Epilog: Geraten wir alle in Misskredit?

Das Drupa-Dilemma hat fatale Auswirkungen weit über die Branche hinaus

Von Andreas Weber und Morten B.Reitoft 

Es erreichten uns Stimmen, die sehr nachdenklich machen.  

Zum Einen bestehen folgende Überlegungen: Bringen wir die Print-Branche, die ohne hin schon lange unter erheblichem Druck steht, nicht noch mehr in Misskredit, wenn wir öffentlich zeigen, dass wir das drupa-Dilemma nicht souverän und zielführend lösen können? 

Zum Anderen ist es schade, was mit dem Messstandort Deutschland passiert. Gerade die drupa hatte nach dem 2. Weltkrieg Deutschland wieder als Wirtschaftsnation nach vorne gebracht, die aus dem Stand heraus viele Besucher aus dem Ausland nach Düsseldorf gebracht hat. Historisch betrachtet, hat die drupa 1951 mit ihrem fulminanten Erfolg Deutschland als Maschinenbau-Nation weltweit wieder hoffähig gemacht und bis heute eine Führungsposition verschafft.

Nicht wenige sehen hier die Messe Düsseldorf in einer besonderen Verantwortung, um durch Klarheit und Vernunft zu glänzen, und nicht eher durch Hinhalte-Taktiken und wenig glaubwürdige Kommunikation nach dem Motto: „Alles ist doch gut…“. Denn Messegesellschaften in Deutschland sind schließlich führend in der Welt und haben Vorbildfunktion. Mit einem Marktanteil von rund 60 % bei Fach-Messen im B2B-Bereich.  

Exkurs 1: B2B-Messen als Wirtschaftstreiber Nummer 1 

Made in Germany wurde auch im Ausstellungs- und Messe-Sektor zum globalen Gütesiegel. Nicht zuletzt wegen der herausragenden Rolle von Deutschland als nationaler und weltweiter Treiber von Messeveranstaltungen und Marktplatz für wirtschaftlichen Erfolg. Alle großen deutschen  Messeveranstalter exportieren ihr Knowhow und Können in alle Teile der Welt. Sei es durchliegen Formate oder in Partnerschaften mit lokalen Einrichtungen. 

Der Verband der Deutschen Messewirtschaft AUMA erfasst alle Daten rund um Messe-Veranstaltungen. Und dokumentiert, dass in den letzten Jahren, bis zur COVID-19-Pandemie, das Geschäft im Aufwind war. Im Schnitt wurden in Deutschland € 14,5 Milliarden von Ausstellern und Besuchern aufgebracht (Umsätze mit Besuchern machen davon knapp ein Drittel aus) mit „Production Effects“ von rund € 28 Milliarden. 

Für rund 75% der Unternehmen waren 2019 B2B-Messen von zentraler oder wichtiger Bedeutung für die Marketing-Kommunikation. Im Marketing-Mix rangieren Messen fast gleich auf mit Websites – und weit vor anderen Maßnahmen wie Direct Mailings, Online Sales oder (abgeschlagen) Anzeigenwerbung.

Die deutschen Messe-Veranstalter haben neben Deutschland als größtem Markt für Messen ein starkes Auslandsgeschäft und generieren laut AUMA rund 60 % der weltweiten Umsätze. Marktführer nach Umsatz (über € 700 Millionen) und Fläche (Hallen mit fast 4000.000 qm) in Deutschland ist konstant die Messe Frankfurt. Die Messe Düsseldorf erreicht je nachdem, ob die drupa stattfindet oder nicht, mit rund € 300 bis über € 400 Millionen Platz 5 bis 7. Betrachtet man die Bilanzen der Messe Düsseldorf, macht die drupa seit 2004 im Schnitt schätzungsweise einen Umsatz von € 100 Millionen aus und mehr (der drupa-Umsatz wird in der Bilanz nicht explizit ausgewiesen). Der Bilanzgewinn der Messe Düsseldorf lag im drupa-Jahr 2016 bei über € 132 Millionen (Gesamtumsatz 2016: rund € 442 Millionen). 

Die Corona-Krise wird das Messegeschäft in punkto Wachstum aber kolossal ausbremsen. Die Deutsche Messe Hannover hat als erster Messeveranstalter für 2020 im Oktober 2020 einen Umsatzrückgang von rund € 80 Millionen angesagt, was einem Umsatzanteil gegenüber den Vorjahren von fast 25 % entspricht.