Loading

Ist die Drupa überhaupt noch wichtig?

Marktteilnehmer und Print-Profis müssen für sich neue Wege finden. Und es gibt sie schon im Ansatz!

Vor der Beantwortung der obigen Frage sind möglicherweise einige Überlegungen notwendig. Für die Messe Düsseldorf ist die Drupa als globale Leitmesse natürlich enorm wichtig. Für die Aussteller, die in der Vergangenheit beschlossen hatten, Millionen von Euro auszugeben, war Drupa zumindest wichtig. Für die 260.000 Besucher im Jahr 2016 sind wir zuversichtlich, dass die drupa zu dieser Zeit ebenfalls wichtig war. Doch wie steht es heute? 

Von Andreas Weber und Morten B. Reitoft

Messen an sich stellen keinen eigenständigen Wert dar. Das gilt für die Veranstaltungen in der Druckindustrie und für Messen in allen anderen Branchen. Das Wichtigste und Werthaltigste ist das Ziel.

Ziel ist es, innovative Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren, Leads oder Verkaufsabschlüsse zu generieren. Wie bei allen Marketingaktivitäten muss die Investition einen ROI (Return on Investment) schaffen. Mega-Events wie Drupa haben eine lange Geschichte, und vielleicht haben einige Leute aufgehört, über die ursprünglichen Gründe für eine solche Messeveranstaltung nachzudenken. Drupa wurde zu einer stetig wiederkehrenden Fachmesse, und in den Diskussionen ging es nicht darum, ob man anwesend war oder nicht, sondern darum, wie viele Quadratmeter gemietet werden sollten, um sich bestmöglich in Szene zu setzen. 

Die Drupa ist zu einem gewissen Grad zu einem Podium der Eitelkeit für die Branche geworden, zum dem größere Stände, Partys, Promi-Treffen und vieles mehr als Glamour-Faktoren hinzukamen. 

Dann kam der Virus.

Die aktuelle Pandemie hat so ziemlich alles relativiert. Das ziemlich arrogante respektive egoistische Verhalten des Messe Düsseldorf — gekennzeichnet von unbeantworteten Telefonaten und E-Mails bis hin zu verzögerten Antworten auf die Pandemie-Restriktionen, das Geld, das nicht zurückgegeben wird, die Verluste, die Frustrationen und letztlich zum Weckruf, bei dem Aussteller erkannten, dass Verkäufe nicht auf Null sinken wegen einer verschobenen Drupa.

Die von den Anbietern entwickelten Innovationen, Produkte und Lösungen, erfüllen zeitgemäß die Anforderungen des Marktes. Und nahezu alle können über digitale Kanäle und Plattformen kommunizieren, die schneller, billiger und weitaus besser steuerbar sind als ein Messeauftritt. 

Dann kam der Virus.

Die Anbieter stellten schnell fest, dass neue Formen Kommunikation die Vermarktung jederzeit, oder auch in Echtzeit, zulassen und nicht mehr nur in mehrjährigen Drupa-Zyklen, die von einer Messegesellschaft nach eigenem Gutdünken festgelegt werden. Aussteller sind also durch den Wegfall einer Drupa im klaren Vorteil, garniert mit mehr Flexibilität und Unabhängigkeit gegenüber Dritten. 

Dann kam der Virus. 

Plötzlich wurde Wichtiges neu definiert. Anbieter konnten sehen, wie selbst organisierte Veranstaltungen selbst auf C-Ebene einen noch größeren Einfluss auf ihre Produkte, Dienstleistungen, die Marke und das Engagement für Kunden und Interessenten haben können.

Wenn Top-Manager wie R. Hundsdörfer, R. Sammeck, JP. Bobst, Chr. Gamper, G. Saltin und alle anderen CEOs, mit denen wir jüngst Gespräche geführt haben, plötzlich mit nicht nur einigen wenigen Top-Entscheiden kommunizieren können, die Zugang zu den heiligen Hallen einer Messe erhalten haben, sondern nunmehr digital, über Online-Plattformen direkt und jederzeit erreichbar sind, muss man sich fragen: Können Geschäfte noch besser laufen? 

Warum dann Messeveranstaltungen nachtrauern, die es nicht mehr gibt — wie z. B. Ipex, Graph Expo, Cebit und noch einige andere mehr… Diese Fachmessen starben nicht an einem Virus, und sogar die Drupa kann aus den gleichen Gründen das Zeitliche segnen, nämlich aus mangelnder Innovationsbereitschaft plus einem Mangel an Empathie. 

So furchtbar der COVID-19-Virus auch ist, so gut ist er zugleich, da die Menschen nachdenken und überdenken, ob das, was sie taten, richtig und zielführend war. Oder ob und wie man Dinge besser und anders machen muss. 

Falls drupa als Marke überleben wird und wir wieder Mega-Schauen nutzen können, wird es beim nächsten Mal sicher noch viele weitere Überlegungen geben müssen, um zum Ziel zu gelangen. Angenommen, drupa kann (wieder) innovativ werden und eine Plattform darstellen, bei der der ROI und der Wert sowohl für Aussteller als auch für Besucher offensichtlich ist und im Fokus steht, das wäre einfach großartig! Oder? Aber um auf das Hier und jetzt zurückzukommen: Die Aussichten für die Drupa haben sich leider sehr stark eingetrübt. 

PS: Einer unserer INKISH-D-A-CH-Leser kommentierte: Wahrscheinlich aufgrund des Scheiterns der Messe in Düsseldorf wird in Zukunft eine mit der Drupa vergleichbare Messe anderswo, vielleicht in China, Japan oder Indien stattfinden. Eben genau dort, wo das Innovations-Interesse, und die Bereitschaft sich zu wandeln, äußerst dynamisch ist.


Kommentare zu diesem Artikel hinzufügen/ansehen →


Kommentare
user