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drupa preview Diskussion: Worum geht’s eigentlich?

Die Auftaktdiskussion zum Start der drupa preview Plattform verlief extrem enttäuschend 

Von Andreas Weber und Morten Reitoft

Das neue drupa preview Projekt hatte heute, am 27.10.2020, 10 Uhr, sein Kick-off. 

Das Verblüffende: die drupa in ihrer Bedeutung als Traditions-Branchenevent und die Marktbedürfnisse im Print-Sektor standen gar nicht im Zentrum. Vielmehr wurden persönliche Ansichten geteilt, die die Interessen der Messe Düsseldorf und des VDMA als wichtigstem Träger der drupa in den Fokus stellten. Und die Lösung lautet nunmehr: die drupa wird ein Hybrid-Event, mit dem Ziel: to build up an excitement curve“.  

Innerhalb von drei Monaten hat die Messe Düsseldorf das Online-Konstrukt entwickelt, das drupa preview zugrunde liegt, um es für verschiedene Messeformate einzusetzen. Mit der Caravan sei ein erfolgreicher Start gelungen. daher gehe man jetzt davon aus, dass dies auch für die drupa klappen wird. Dr. Christian Plenge, Head of Digital Strategy and Communication,  sagte: „Wir versuchen so etwas zu sein wie MS Teams“. Es gehe darum, jetzt und hier ein Modell zu finden, das unabhängig von Corona die neue Form der Hybrid-Messe fest und nachhaltig etabliert. bei alles, so die Schlussfolgerung, befinde sich im Experimentier-Stadium, da niemand mit Hybrid-Messen bereits hinreichend Erfahrung habe. 

Fakt ist aber: die drupa wird nie mehr nur als physisches Event stattfinden. Fachmessen, so die einhellige Meinung des Podiums, werden ab jetzt immer als Hybrid-Events stattfinden können. Die Digitalisierung fordere ihren Tribut. Und, einmal im Boot, kann nicht mehr zurückgerudert werden. So weit so gut. Doch dass heisst klar und eindeutig, dass die Aussteller- und Besucherzahlen des physischen Teils der drupa für immer auf ein Dauer-Niedrig-Niveau sinken. Oder? 

Digitale Messen müssten assistieren, könnten aber, so die Meinung des Podiums, nicht kompensieren, was durch mangelnde physische Präsenz verloren gehe. Ein Widerspruch in sich selbst.  

Befremdlich ist zudem, wenn Sabine Geldermann, Project Director Print Technologies der Messe Düsseldorf, immer wieder von „unsere Industrie“ spricht. Geldermann ist im Messegeschäft tätig und nicht als Print-Fachfrau im Druckerei- oder Print-Verlags-Geschäft.  

Befremdlich ist weiterhin: Zur Eröffnung des Panels wurde ein Trailer abgespielt, bei dem Firmen wie Heidelberg und Bobst auftauchten, die bekanntlich ihre drupa-Teilnahme für 2021 abgesagt haben. Meine entsprechende Frage per Chat, ob diese „Abtrünnigen“ jetzt virtuell zurück kämen, wurde nicht beantwortet, obgleich gar nicht viel Fragen gestellt wurden. 

Der Tenor insgesamt lautete: Alles wird gut. Am drupa Claim “Embrace the Future“ wird genauso festgehalten wie an den drei Touchpoint-Themen Packaging, 3D Printing und Textile inkl. Industrial Printing. Ob das Motto „Never change a winning team“ auch dann zieht, wenn man verloren hat, scheint mehr als fraglich.  

Mein Fazit: Die Panel-Teilnehmer schilderten im Prinzip nichts Neues. Das was gesagt wurde, waren Allgemeinplätze und generische Infos, die schon bekannt sind. Mit bestimmtem Konfliktpotenzial. Z. B. sagte Geldermann, die drupa preview platform sei „Open for all and free of charge“. Nur: Wer Inhalte einstellen will, muss dafür bezahlen. — Dr. Markus Heering vom VDMA glänzte damit, dass er eigentlich zur Situation der Print-Branche gar nichts sagen konnte oder wollte. Er sprach nur über die gewaltigen Herausforderungen im Maschinenbau durch die Coronavirus-Pandemie. Doch das hat mit der Situation von Druckereien, die das Hauptklientel für eine drupa sind, kaum etwas  zu tun.

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