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Neues Motto: Embrace the Profit

Gute Geschäfte basieren auf fairem Handeln zum Nutzen für alle

Etwas sehr Pragmatisches. Wenn Sie eine Messe wie die drupa besuchen, müssen Sie eine Unterkunft finden, und da Düsseldorf eine der größten Ausstellungsstädte Deutschlands ist, sollte dies einfach sein, oder? Wie bei den meisten Produkten der Welt hängt die Preisgestaltung von Angebot und Nachfrage ab. Für Hotels während der Drupa ist dies nicht einfach und die Preise sind weit über einem vernünftig-angemessenen Wert. All das folgt einem systemischen Ansatz in Düsseldorf. 

Von Andreas Weber & Morten Reitoft 

Die Drupa ist eine der größten Ausstellungen in Düsseldorf – eigentlich die Nummer 1 – und das Angebot an Hotelzimmern ist einfach so viel geringer als die Nachfrage, so dass die Preise während der Drupa in die Höhe schnellen. Hotels und Air'n'b glänzen während der Drupa mit steigenden Preisen von 200-500%. Explodierende Preise gelten für fast jede Stadt, wenn Messen stattfinden, aber für die Drupa gibt es nur begrenzten Wettbewerb. Dazu später mehr. 

Die Messe Düsseldorf ist seit jeher Exklusiv-Partner und -Ausrichter der Drupa, und die Messe Düsseldorf gehört der Stadt Düsseldorf und dem Bundesland Nordrhein-Westfalen – es handelt sich im Wesentlichen um ein kommunales oder öffentliches Unternehmen. Ein öffentliches Unternehmen zu sein, KANN bedeuten, dass es mehr Interessen gibt, als man denkt. Warum sollte eine Gemeinde mehr Wettbewerb zwischen Hotels zulassen? Warum sollte eine Stadt Interesse an einem freien und offenen Wettbewerb für alles haben, was mit der Messe Düsseldorf zu tun hat? Solange die Leute bereit sind zu zahlen, was es kostet, funktioniert das System…

Die Drupa-Website bietet sogar eine „Suche und Buche“-Funktion für Unterkünfte. Glauben Sie, dass dies kostenlos ist? Wir sind überzeugt, dass bezüglich Drupa nichts umsonst gemacht wird. Auch wenn die Provision dem Angebot anderer Makler ähnelt, unterstreicht dies, wie die Messe Düsseldorf sein Geschäft wie eine Krake führt. Auf den ersten Blick scheint alles OK, aber fairer Wettbewerb ist nicht gegeben, vielmehr regiert die Gier. Daher: Embrace the Profit! 

Wenn sich ein Aussteller auf der Drupa für einen Stand anmeldet, ist er verpflichtet, eine Marketinggebühr von mindestens € 550,00 zu zahlen. Laut Drupa deckt das Geld die Kosten für die Aufnahme in den drupa-Katalog und die Website. Bei mehr als 1.500 Ausstellern beträgt die Marketinggebühr insgesamt mindestens € 825.000 – für die meisten in Summe ein stolzer Betrag, der mehr als ausreichend sein sollte. Wie wir bereits wissen, wird für die drupa eine nicht unerhebliche Eintrittsgebühr verlangt. Aber damit nicht genug. Für die Drupa berechnet Messe Düsseldorf zusätzlich viele andere Dinge. 

Eines der Dinge, die uns überraschten, war die Gebühr für Fach-Medien, die ihre Veröffentlichungen für die Besucher kostenlos auslegen. Drupa berechnet für alles und jedes; ein Aussteller sagte uns, dass Drupa und Messe Düsseldorf den "Weltrekord" für die meisten Rechnungsposten halte. Wenn Sie einen Messestand haben und auf dem Stand zusätzliche Events abhalten wollen, wird dies für Drupa nicht ohne zusätzliche Zahlung möglich sein — obwohl Sie bereits Ihre Standmiete bezahlt haben. Alles – buchstäblich ALLES – wird bei einer Drupa mit einem hohen Preis versehen; das ist sicherlich jedem bekannt, also ist das eigentlich gar keine Überraschung. 

Überraschend ist jedoch, dass die Aussteller das widerspruchslos akzeptieren. Da wie gesagt die Drupa weltweit die größte Messe der Druckindustrie ist, sind die Messe Düsseldorf und die drupa in eine Position geraten, in der Moral und Ethik scheinbar außer Kontrolle geraten sind.  Alles scheint bislang gut gegangen zu sein; und solange die Anzahl der Besucher für die Aussteller akzeptabel erscheint, können für die Drupa weiterhin Services angeboten werden, die im Wesentlichen darin bestehen, in einigen Messegebäuden in einer Stadt, in der die Preise weit über den akzeptablen Preisen liegen, Platz zu bieten. Da die Messe Düsseldorf als Besitzer des Ausstellungsgeländes und als fester Vertragspartner der Drupa-Träger-Organisationen gesetzt ist, kann kein Wettbewerbsmomentum aufkommen, um in andere Städte umzuziehen. (Also anders als das mit der IAA in Frankfurt am Main passierte).

Branchen-Veranstaltungen wie PRINTING United in den USA und FESPA auf internationalem Niveau profitieren davon, dass sie nicht an feste Orte gebunden sind. Solange Veranstalter wie die Messe Düsseldorf Teilnehmer und Aussteller davon überzeugen können, nach Düsseldorf zu reisen, solange kann dieses Geschäftsmodell quasi monopolistisch funktionieren. 

Die COVID-19-Pandemie kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Bis dahin liefen die Dinge bei er drupa-Vorbereitung wie gewohnt. Einige Aussteller sagten uns allerdings, wie schwierig es sein kann, mit der Drupa umzugehen. Ein Aussteller wollte seinen Stand näher an einen Geschäftspartner rücken – dies wurde erst möglich, nachdem er damit gedroht hatte, seine drupa-Teilnahme abzusagen. 

Andere Aussteller sagten sogar, dass es in den Tagen nach Bekanntgabe der Pandemie-bedingten Verschiebung unmöglich war, jemanden in Sachen Drupa zu erreichen. Tatsache ist sowieso, dass die Messe Düsseldorf für die meisten ‚normalen’ drupa Aussteller nicht anbietet, sich für einen Stand in einer bestimmten Halle zu bewerben. Sie bewerben sich, und müssen den Vorgaben zur Verteilung folgen. Nach dem Motto: Friss oder stirb. 

Aber zurück zu Hotels und Unterkünften, denn dies ist ein wichtiger Kostenfaktor für alle Aussteller und Besucher. Wir glauben, wir können uns alle einig sein, dass die Pandemie nicht unsere persönliche Schuld ist, oder? Um ein Hotel zu bekommen, sagen uns viele der Aussteller, mit denen wir gesprochen haben, müssen die Zimmer-Kontingente Jahre im Voraus gebucht (und bezahlt) werden. Einige Aussteller geben an, seit Jahren dieselben Hotels zu nutzen. Sie erfahren daher nicht, was wir unten schreiben – jedoch: Mehrere Aussteller bestätigen, dass eine Änderung der Hotelreservierungen – und obwohl es die Messe Düsseldorf sowie die Drupa-Träger waren, die eine Verschiebung der drupa veranlassten: den Ausstellern kostet es eine zusätzliche Vorauszahlungsgebühr von 10%. 

Einige Aussteller erklären sogar, dass vorbestellte und bezahlte Restaurants Rückzahlungen vollständig ablehnen – andere akzeptieren nicht einmal Änderungen an Reservierungen für 2020. 

Solange eine Messe wie die Drupa einen positiven ROI oder einen hohen Marketingwert hat (wir werden dies in unseren nächsten Beiträgen diskutieren), müssen Sie diese Verhaltensweisen möglicherweise akzeptieren. Dennoch erscheint das gesamte Ökosystem mehr als unvernünftig, und was uns auf fällt: Warum sollten Sie diese Verrücktheit akzeptieren, wenn Sie als Aussteller Ihre Budgetvorgaben und Umsatzplanungen auch ohne drupa erreichen können? 

Die Welt verändert sich und mit aus unserer Sicht geradezu unlauterer Moral nicht nur seitens Drupa und Messe Düsseldorf, sondern auch seitens der Hotels und Restaurants (und evtl. auch anderer Beteiligten) haben alle gelernt, das Drupa-Ökosystem zu akzeptieren. 

Davon profitieren nicht Aussteller und Besucher, sondern nur diejenigen ‚Dienstleister‘, die jetzt ihre wirklich hässliche Seite von sich zeigen. Aber um das auch klar zu stellen: Die "normale" Bevölkerung in Düsseldorf ist anders und meist hilfsbereit und sehr freundlich zu Messegästen. 

Die Existenz der Drupa hängt aufgrund dieser von uns geschilderten Sachlage buchstäblich an einem seidenen Faden. Wir glauben nicht, dass für die Drupa-Verantwortlichen das bemerken (wollen). Wir glauben vielmehr, dass sie sich als Teil der Branche betrachten und dass die Drupa nach wie vor unverzichtbar sei. Wir sind sicher, dass es einmal so war, vielleicht noch vor einem Jahrzehnt. Doch das ist vorbei. 

Wer sein Angebot / seine Services und vor allem die eigene Einstellung nicht ändert, wer seine Kunden/Interessenten als Hauptakteure nicht wertschätzt und fair behandelt, für den wird es in der Zukunft keinen Platz mehr geben.

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