Wissenschaftliche Studie der Uni Mannheim nennt Gewinner und Verlierer der Pandemie
Von Andreas Weber
Der „German Business Panel – Empirische Erkenntnisse zum zweiten Lockdown“ untersucht wissenschaftlich unter der Federführung der Universität Mannheim, wer am besten mit staatlicher Hilfe aus der Krise kommt. Aktuell wurde der zweite Shutdown in Deutschland einbezogen.
Mit die besten Aussichten haben demnach die Buch- und Zeitschriften-Verlage — die schlechtesten Messe- und Kongress-Veranstalter sowie Reisebüros.
Die Studie führt explizit an: „Bei Messe- und Kongressveranstalter oder Reisebüros beispielsweise stieg die Überlebenswahrscheinlichkeit durch staatliche Hilfen zwar um gut 30 Punkte, am Ende liegt sie jedoch selbst damit unterhalb von 60 %. Verlage oder Privatschulen wiederum, die durch staatliche Hilfen ihre Überlebenswahrscheinlichkeit ebenfalls um über 30 Punkte steigern konnten, erreichten auf diese Weise eine Überlebenswahrscheinlichkeit von gut 90 %.“
Bei 26,9 % der Verlage kam es zu Preiserhöhungen, wobei die Preissteigerungen z. T. durch die temporäre Mehrwertsteuer-Senkung Wirkung entfalten: „Die Unternehmen müssen den Umständen geschuldeten Kostendruck in höheren Preisen weitergeben. Durch die Mehrwertsteuer-Senkung fallen die benötigten Preiserhöhungen kleiner aus und es können mehr Kunden gehalten werden.“ Das Ziel, den Konsum durch niedrigere Preise anzukurbeln, konnte aber nicht erreicht werden.
Generell kamen die Wissenschaftler zu folgender Beschreibung der wirtschaftlichen Auswirkungen des aktuelle Shutdown:
• „Die Belastungen der Wirtschaft im ersten Halbjahr 2020, in das der erste Lockdown fiel, waren sehr ungleich verteilt. Die Branchen, die nach Umsatz- und Gewinnrückgang damals am härtesten getroffen wurden, sind genau die Branchen, die der zweite Lockdown besonders stark belastet – entweder direkt durch erneute Betriebsschließungen (wie für Hotels, die Gastronomie oder die Veranstaltungsbranche) oder indirekt durch die Folgen dieser Schließungen (wie für Reisebüros oder die Vermieter von Veranstaltungsbedarf).
• Für diese Branchen senkt der zweite Lockdown die Überlebenswahrscheinlichkeit erheblich. Die Zielgenauigkeit und Wirksamkeit der staatlichen Hilfen sind daher entscheidend. Die Wirksamkeit staatlicher Hilfen unterschied sich jedoch bereits in der ersten Jahreshälfte sehr stark über Branchen hinweg: Während für manche der damals betroffenen Branchen (z. B. im privaten Bildungs- und Erziehungsbereich) die Staatshilfen das Überleben nahezu vollständig sicherten, wird in Tourismus und Gastronomie selbst nach Inanspruchnahme der Hilfen mit der Insolvenz von fast 40% der Betriebe gerechnet.“
Wer hätte das gedacht: Noch vor der Pandemie standen Buch- und Zeitschriften Verlage, die vorwiegend auf Print setzen, in der Kritik. Jetzt stehen sie besser dar als die meisten anderen. Allerdings kann dieser Etappensieg nur nachhaltigen Erfolg haben, wenn die Verlage sich weiter entwickeln und wie in den INKISH #WhatsNext #Webinar-Gesprächen aufgezeigt, ihren Lesern und Anzeigenkunden neue Wege bieten, das Geschäftspotenzial durch aktive Gewinnung von Neukunden und Interessenten zu beflügeln.
Das German Business Panel der Universität Mannheim ist ein langfristiges Befragungspanel des von der DFG Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten überregionalen Projektes „Accounting for Transparency“. Der komplette Ergebnisbericht ist als PDF zum Download beigefügt.
Kontakt zum Projektteam
Tel: +49 (0) 621 181 3286
E-Mail: gbpinfo@trr266.uni-mannheim.de
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